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RUNNER'S WORLD Artikel aus dem Lauf-Fachblatt |
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aus der niederländischen Ausgabe von RUNNER'S WORLD Februar 2002 Text: Ysbrand Visser, deutsche Übersetzung von |
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Für Sie entdeckt Ein faszinierendes Stück Deutschland Der kleine Ort Wilsum, der sich genau zwischen Enschede und Emmen befindet, finden und erleben Sie die Ruhe und fantastische Möglichkeiten zum Laufen. In den umliegenden unterschiedlichsten Kulturlandschaften sind Sie allein mit der Natur. Ihr Publikum: Raubvögel in der Luft und davon eilende Fasane oder Rehe. Der hiesige Dialekt hört sich fast an wie Niederländisch, aber irren Sie sich nicht: Sie sind tatsächlich in Deutschland. Wilsum ist das geographische Herz eines faszinierendes Stück Deutschland, das sich bereits seit vielen Jahrhunderten in die östliche Grenze der Niederlande einbeult. Zwanzig mal zwanzig Kilometer Geschichte, die sich zwar heftig an die Niederlande reibt, aber dennoch hauptsächlich zu der im 12. Jahrhundert entstandenen Grafschaft Bentheim gehört. Diese Region bildete einst eine wirtschaftliche, sprachliche und kulturelle Einheit, die sich bis weit in die Niederlande und Deutschland erstreckte. Der Teil der Grafschaft Bentheim, den ich Ihnen in diesem Artikel empfehlen möchte, ist die nördliche und etwas tiefer gelegene Niedergrafschaft, die bis Ende des 12. Jahrhunderts vom Bischof von Utrecht verwaltet wurde. Die ersten Grenzsteine mit der Aufschrift O der Provinz Overijssel und einem B von Bentheim, stammen aus dem Jahre 1548 und konnten relativ einfach verlegt werden. Die Strafe, die für ein solches Vergehen galt, war jedoch nicht gering: der Täter wurde bis zur Taille in das entstandene Erdloch gesteckt, danach wurde das ein Pflug mit Schar auf das Opfer eingesetzt. Den letzten Grenzkonflikt gab es wegen der Ölbohrungen, die in Schoonebeek unter Umständen auch deutsche Öl förderten. Seit 1949 muss gibt es für eine solche Ölförderanlage eine Mindestentfernung von 50 Metern zur Grenze. In diesem entlegenen Winkel von Deutschland, denn das ist es auf jeden Fall, gibt es Raum und Stille in Überfluss, sind die Häuser und die Grundstücke groß und preiswert, und wird der Tourismus vor allem von niederländischen Besuchern bedingt. Außer in den Sommermonaten, denn dann sind die Deutschen in der Mehrzahl vertreten. Städtisches Vergnügen bietet nur die Stadt Nordhorn, die sich etwas außerhalb des Vierecks befindet. Oder Sie fahren zurück in die Niederlande, denn unmittelbar an der Grenze gibt es eine Reihe kleinerer Städte wie Klazienaveen, Coevorden, Gramsbergen, Hardenberg, Tubbergen und Ootmarsum, die deutlich machen, wie überbevölkert die Niederlande doch sind. Das ist ein grund dafür, dass es in der deutschen Gemeinde Laar nahe Coevorden sogar eine Neubausiedlung gibt, deren Anwohner zu fast neunzig Prozent die niederländische Staatsangehörigkeit haben. Die Hektik auf der anderen Seite der Grenze vergisst man in der Niedergrafschaft schnell. Das weitläufige und menschenleere Wilsum ist sogar still. Das etwas südlich gelegene Uelsen ist mit mehreren Übernachtungsmöglichkeiten vielleicht ein besserer Aufenthaltsort und ist sogar als Luftkurort anerkannt. Hier befinden sich die größten Waldflächen der Region, obwohl die Naturschutzgebiete hier manchmal ziemlich zugenagelt sind. Mit einer guten Karte (Grafschaft Bentheim, BVA) ist es aber sofort klar, dass es hier - besonders dank der vielen unbefestigten Landwege - ausgezeichnete Strecken für Läufer mit Achtung vor der Natur gibt. Ur-Vechte Vor langer, langer Zeit bildete die Nordsee die jetzige deutsch-niederländische Grenze. Allmählich verlagerte die Küstenlinie sich in westliche Richtung, weil der Rhein, die Maas und die Vechte Lehm und Sand aus dem Hinterland anführten. Die jetzige Vechte, die das in diesem Artikel beschriebene Reiseziel durchquert, ist nur ein Abklatsch der ursprünglichen Vechte. Diese Ur-Vechte floss vor etwa 700.000 Jahren etwas nördlicher und transportierte u.a. Wasser der Weser, Elbe, Oder und sogar der polnischen Wisla. Der ursprüngliche Fluss kämpfte in den verschiedenen Eiszeiten mit Gletschern um Platz. Der mitgeführte Sand bildete einen breiten Sandstreifen an den Ufern mit einigen kleinen Hügeln. Diese finden Sie vor allem um Uelsen, die Gegend, wo Sie Ihre Schuhe den Lauf lassen sollten. Vielleicht entdecken Sie dann auch die rote Vechtenelke (dianthus deltoides). Diese seltene Pflanze wächst auf trockenen, sandigen Ufern periodischer Flüsse. Nur ein besonderer Schmetterling, der die rote Farbe erkennen kann, bestäubt diese Pflanzenart, obschon rote Blüten in der Regel von Vögeln, und nicht von Insekten bestäubt werden. Im Vechtetal gab es über Jahrhunderte Heidegebiete, die größtenteils von Schafen abgegrast wurden. Weil die Schafe fehlten, wuchs die Heide später zu, was die gespenstisch anmutenden Wacholderbeersträucher zum Verhängnis wurde. Ein wunderschönes Heidegebiet mit Schafsherde finden Sie aber noch auf der Strecke 3 zwischen Wilsum und Itterbeck. Viele Orte der Region sind zwischen 1300 und 1900 dank der Schifffahrt auf der Vechte entstanden. Flussabwärts wurde Bentheimer Sandstein und Holz nach Zwolle transportiert, flussaufwärts wurden Nahrungsmittel und Vieh verfrachtet. Die deutsch-niederländische Grenze wurde im Jahre 1815 durch sehr hohe Zollabgaben jedoch uninteressant. Nach dem Einbruch der Schifffahrt wurde die Region in zunehmendem Maße isoliert und auch brach auch wirtschaftlich zusammen. Im zwanzigsten Jahrhundert wurden Öl- und Gasbohrungen eingeleitet und begann der Tourismus. Dass die Bentheimer sich ursprünglich mehr an den Niederlanden und Amsterdam orientierten, und Hannover dieses Loch später nicht auffüllen konnte, trägt zur Isolierung bei. Stille Zeugen der (reichen) Vergangenheit sind die vielen Wassermühlen und Landhäuser der Textilfabrikanten, der sogenannten Textilbarone. Und örtliche Kirchbücher, die noch bis in den sechziger Jahren in niederländischer Sprache verfasst waren. Die unbefestigten Wege an der Vechte entlang bilden eine überraschende und interessante Alternative zu Wäldern und Hügeln. Auf den angrenzenden Äckern befinden sich während eines Großteils des Jahres Mais, Kartoffeln und der auffällige gelbe Raps in Hülle und Fülle. Zwischen Neuenhaus und Esche können Sie bequem an beiden Ufern hin und zurück laufen (Route 1). Und wenn Sie in einem dieser Orte starten, können Sie die Strecke sogar noch etwas verlängern. Der nördliche Teil dieser an drei Seiten von den Niederlanden eingerahmten Region ist als Moorgebiet ein richtiger Grenzschutz. Das Bourtanger Hochmoor in der Nähe von Klazienaveen war über Jahrhunderte ein undurchdringliches Gebiet, was zu einem hohen Verkehrsaufkommen südlich dieser Region führte. Bis 2025 soll hier noch Torf abgegraben werden, der als Blumenerde in die Niederlande ausgeführt wird. Wirklich aufregend ist es jedoch nicht, hier zu laufen. Euregio Neben der Vechte und der Dinkel als natürliche, bindende Elemente gibt es auf beiden Seiten der Grenze heute auch zahlreiche kulturelle Gemeinsamkeiten. Die Sprache steht dabei an erster Stelle. Bis kurz vor Zwolle wird von jeher Plattdeutsh gesprochen, was sich in und um Wilsum eher Niederländisch als Deutsch anhört. Auch die grenzüberschreitende Kunstroute "Kunstwegen" (eine 132 km lange Fahrradroute) führt Sie , wie eine zweite Fahrradroute, die sog. Vechtetalroute (245 km) in beiden Ländern an der Vechte entlang. Der größte Unterschied in der Region ist und bleibt politischer Art, was in den beiden Weltkriegen zwischen 1914-1918 und 1940-1945 eskalierte. Um die jahrhundertealten Beziehungen neu zu beleben, wurde 1958 die Euregio, ein Gemeinschaftsverband 140 niederländischer und deutscher Gemeinden, gegründet. Nach einer mühseligen Anfangsphase ist sie heute ein Musterbeispiel für Integration in Europa. Neben der beschriebenen Route an der Vechte entlang laden die Wälder um Uelsen zu einem abenteuerlichen Waldlauf ein. Es gibt dort einige durchaus interessante und erlebnisreiche Strecken, die hier allerdings nicht beschrieben sind. Zwischen Uelsen und Wilsum gibt es ausgedehnte Wälder, die von der Wassermühle in Wilsum leicht zu erreichen sind. Auch zwei nahegelegene Ferienhöfe (Egberink, Akkerman) laden als Startort ein. Die ausgestreckten Waldwege sind leicht zu finden. Übersehen Sie auf jeden Fall die für Autos bestimmten Verbotsschilder. Die Stille ist überwältigend. Überqueren Sie in Wilsum auch mal die Uelsener Straße. In Richtung Veldhausen erstreckt sich dann eine wilde Strecke durch die Wilsumer Berge vor Ihnen. Dabei sollten Sie sich schon mal fragen: gibt es den Hügel noch, oder wurde er bereits abgegraben? Einige der alten Wege gibt es nämlich bereits nicht mehr und es manchmal schwer, sich zu orientieren. Wenn Sie zur idyllischen Wassermühle (nur nachmittags geöffnet) in Wilsum zurücklaufen, haben Sie sich den Strammen Max sicherlich verdient. Nordöstlich von Uelsen ist auch der uralte Spöllberg ein durchaus interessantes Laufziel. Nach einigen Entdeckungstagen in dieser Region war Route 2 mein Favorit. Die hügelige Landschaft auf beiden Seiten der Strecke erwärmt das Herz. Ab und zu ganz schmale Wege, dann wiederum hügelige, jahrhundertealte Landwege. Auf dem Karkweg in Hesingen geht es richtig hoch und natürlich danach auch wieder herunter. Die Abfahrt ähnelt hier und da zwar ein Modderbad, aber das dürfte kein Hindernis sein, denn auch die Anwohner sind hier gern. Der schwerste Anstieg vom Uelsener Diek wird nicht mit einer schönen Aussicht belohnt. Aber vielleicht haben Sie noch ein wenig Energie, die 108 Stufen des dortigen Aussichtsturms zu steigen. Bei gutem Wetter können Sie hier weit in die Niederlande hereinschauen, aber nicht zu lange, denn Sie sollten Ihre Zeit hier nutzen, diesen besonderen Teil Deutschlands weiter zu erkunden. Strecken Route 1 (13 km) Start in Neuenhaus, links der Wassermühle, Seifendamm, geradeaus Podagristenpfad, nach der Brücke rechts an der Vechte entlang bis Esche und dann wieder zurück, über die Bahnlinie bis zur Verkehrsbrücke, nach rechts zurück zur Wassermühle. Route 2 (16 km) Start in Uelsen (Süd), Ende Linnenbachweg, links in den Mühlenweg, an der Kreuzung geradeaus, nächste Kreuzung links halten (Acker rechts), links in den Höcklenkamper Weg, bei " Forstbetrieb" rechts, beim Achtungszeichen links, Höcklenkamper Straße geradeaus, in Hesingen links halten, links in den Karkweg (unbefestigt), am Ende des Weges rechts, dann zweite Straße rechts in die Haller Straße, Uelsener Diek, vor dem Anstieg rechts (unbefestigt, Teich auf der rechten Seite), dann rechts Zum Lönsberg, nach 200 m rechts, an der Gabelung links halten, am Ende der Straße links (Asphalt), erste Straße rechts, Ende Straße links, am Schild Einbahnstraße vorbei, geht in unbefestigte Straße über, an der Bushaltestelle links, am Ende der Straße (vor dem Reiterhof) links, an der Gabelung geradeaus (unbefestigt), an der Kreuzung ("Forstbetrieb") rechts, am Zaun rechts, an der Kreuzung im Wald links halten, immer geradeaus, an einem Acker vorbei, am Waldstück rechts, erste links, Ende des Weges links (Asphalt), dann am Ende des Weges links in den Geteloer Weg, geradeaus über dem Radweg, über den Vita Trimmparcours zurück. Route 3 (13 km) Start in Wilsum an der Wassermühle, links Hooge Weg, bei "Garbert" links, an der Kreuzung geradeaus, vor der Gasgewinnungsanlage rechts, erste links, am Acker vorbei, Ende des Wege links entlang die Heide, erste rechts, geradeaus, vor der Straße links auf den Weg, Itterbeck, links in die Wilsumer Straße, nach einem Kilometer vor dem Betrieb links in den Sandweg, nach 200 m rechts, Weg folgen, am Ende links (am Hochsitz), geradeaus, geht über in einen schmalen Weg, an der Kreuzung am grünen Schild rechts, an der Heide entlang, am Ende des Weges links, dann am Ende rechts, der Weg schlängelt sich durch den Wald, an Äckern vorbei, an der Kreuzung rechts Hooge Weg. |
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Letzte Änderung:
19.11.2003
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